Gespräche in den Klassen

Die Lehrer/innen sind oft selbst stark betroffen. Vielleicht tut es ihnen gut, wenn sie nicht alleine in die Klasse gehen, nach Möglichkeit zusammen mit einer Fachkraft (Schulpsycholog/in, Schulseelsorger/in…) 

Die Erfahrungen der Kolleg/innen zeigen, dass es wichtig ist, offen auf die Schüler/innen zuzugehen und schülerzentriert zu arbeiten. 

Thomas Barkowski schreibt zur Vorbereitung des Gesprächs in der Klasse im Handbuch für den Umgang mit Tod und anderen Krisen in der Schule 

„Bevor Sie der Klasse nach einem Krisenereignis zum ersten Mal gegenüber treten, nehmen Sie sich kurz Zeit für dreierlei: 

  • Legen Sie sich Ihre ersten Worte zurecht!
  • Gestatten Sie sich ein paar tiefe Atemzüge – das versorgt das Gehirn mit Sauerstoff und zwingt zur Ruhe. Spüren Sie den festen Boden unter Ihren Füßen. Das gibt Standfestigkeit.
  • Überlegen Sie sich eine Struktur für das Gespräch mit der Klasse.

Im Gespräch mit der Klasse: 

  • Reaktionen von Trauer und Wut sind oft schwer zu ertragen. Man fühlt sich hilflos und möchte gerne etwas tunt. Es wird von Ihnen jetzt nur erwartet, da zu sein und diese Klage oder Anklage mit auszuhalten.
  • Als Lehrer/in stehen Sie vor der Klasse und sind doch vielleicht selbst zutiefst betroffen und traurig. Sie haben das Recht, Ihren Schülern auch Ihre Gefühle zu zeigen.
  • Werten Sie Reaktionen nicht nach Kategorien wie „richtig“ oder „falsch“. Das gibt es in diesem Kontext nicht.
  • Gestehen Sie sich Grenzen zu. Wenn sie sich einer Situation nicht gewachsen fühlen, holen Sie Hilfe. Besser ist es in der Regel zu zweit das Gespräch mit der Klasse zu führen.
  • Denken Sie nicht, Sie müssten auf alle Fragen eine Antwort wissen. Geben Sie Ratlosigkeit zu.
  • Sprechen Sie mit anderen darüber, wie es Ihnen in der Klasse gegangen ist: Was gut lief, wo Sie glauben, falsch reagiert zu haben etc. ein solche Gespräch entlastet.“

Über das Ereignis reden 

Manchmal ist es wichtig, zu Beginn des Gesprächs Halbwahrheiten, Vermutungen und Gerüchten entgegenzutreten und die Schüler/innen sachlich zu informieren. Das stellte das Gespräch auf eine sicherere Ausgangsbasis. 

Mögliche Einstiegsfragen könnten sein:

  • Was wisst ihr über das Ereignis? 
  • Wo habt ihr zuerst davon erfahren? 
  • Wo wart ihr, als es geschah?
  • Welche Gefühle hattet ihr? 
  • Hattet ihr schon die Möglichkeit, mit Jemandem darüber zu reden? 
  • Was geht euch dazu durch den Kopf?
  • Möchte jemand etwas dazu sagen?

Die Schülerinnen und Schüler über ihre Trauer, Angst und Sorgen reden lassen. 

Die Schüler/innen darauf hinweisen, wie es ihnen selbst eventuell in den nächsten Tagen gehen kann, dass ihnen das Erlebte nachgeht und sie beeinträchtigt. 

Wenn es in der Klasse möglich ist, kann ein Gebet gesprochen werden, Bitten und Klagen vor Gott gebracht werden, vielleicht hat auch ein Lied oder Schweigen seinen Platz. Es hilft, die verstorbene Person Gott anzuvertrauen. 

Kreative Möglichkeiten 

Wenn genügend Zeit zur Verfügung steht, können die Schüler/innen ihren Gefühlen auch in gestalterischer Form Ausdruck geben. Dies hilft, Spannungen abzubauen, den eigenen Gefühlen nachzuspüren und bietet Möglichkeiten hilfreicher Bewältigung.

Weiterführend:

  • Was würde uns/mir jetzt helfen? 
  • Was wünsche ich mir/uns? 
  • Was hat mir in meinem Leben bisher in schwierigen Situationen geholfen? (Auch scheinbar Banales darf benannt werden).
  • Wer erwartet euch zuhause? Könnt ihr zu Freunden oder Verwandten? 
  • Mit wem möchtet ihr am liebsten zusammen sein? Wer kann euch helfen oder trösten?

Überlegen, wie man weiter in der Klasse damit umgehen will. Kleine Rituale in bestimmten Abständen, Schweigezeiten… 

Barkowski schlägt vor, an bestimmten Tagen (Geburtstag, Jahrestag) nochmals begrenzte Zeiten zur Verfügung zu stellen oder in bestimmten Gottesdiensten, zum Beispiel am Schuljahresende, nochmals Raum für Erinnerungen zu geben. 

 
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