Religionspädagogischer Fachtag
Menschen führen und begleiten

(Reli-)Lehrkräfte sehen sich nicht erst seit Corona(-Pandemie) und Ukraine-Krieg mit einer wachsenden Zahl von krisenhaften Situationen konfrontiert, die sie immer wieder neu herausfordern. Es gilt Konflikte zu bearbeiten, krisengeplagte Schüler:innen aufzufangen, Heterogenität zu gestalten, Krisen zu managen, Entwicklungsprozesse zu steuern und auch eine Menge Bürokratie zu bewältigen. Dies alles sind klassische Führungsaufgaben, für die spezifisches Handwerkszeug zu erlernen ist. Dabei ist auch die Fürsorge für die persönliche Gesundheit ein wichtiger Gesichtspunkt, um die eigene Resilienz zu stärken.

Zu Beginn des Fachtags zeigt der aus zahlreichen Veröffentlichungen bekannte Benediktiner-Pater Anselm Grün Leitlinien eines Führungshandelns auf, in dem fachliche und spirituelle Dimensionen miteinander verwoben und aufeinander bezogen sind. Führen ist für Anselm Grün eine spirituelle Aufgabe. So dürfen wir gespannt sein, welche Impulse er für das Führungshandeln im Klassenzimmer gibt.

In Workshops werden am Nachmittag einzelne Aspekte vertieft. Sie können an bis zu zwei Workshops teilnehmen.

Workshop 1: „Mein Umgang mit Unterrichtsstörungen“ Pädagogische Handlungsbereiche – eigene Haltungen
Referentin: Charlotte Altenmüller, ev. Schuldekanin
Der Umgang mit Unterrichtsstörungen und Disziplinkonflikten sind eine tägliche Herausforderung für die Unterrichtenden. Es ist deshalb sinnvoll, sich im Lauf des Berufslebens immer wieder damit zu beschäftigen und hilfreiche Sichten zu erinnern oder neu zu gewinnen.
In diesem Workshop werden wir pädagogische Handlungsbereiche in den Blick nehmen, die wir als Unterrichtende im Umgang mit Störungen haben. Zum anderen wollen wir eigenen Haltungen und Stärken, vielleicht aber auch neuen Handlungsperspektiven im Kontext von Unterrichtsstörungen auf die Spur kommen.

Workshop 2: Classroom-Management in zusammengewürfelten Lerngruppen
Referentin: Margit Tschinkel, Studienleiterin
Religion – ein besonderes Fach, nicht nur was die Inhalte betrifft. Wer das Fach Religion unterrichtet, weiß auch, was Flexibilität bedeutet. Klassenübergreifende Gruppen, KoKo, inklusive Settings, Gaststatus… von Heterogenität bezüglich der Lernniveaus ganz zu schweigen.
Als Religionslehrer:innen sind wir immer wieder herausgefordert unser Fach den äußeren Gegebenheiten und Anforderungen anzupassen. Ein gut funktionierendes Classroom-Management kann dazu maßgeblich beitragen.
In diesem Workshop gibt Margit Tschinkel praktische Tipps und Impulse, wie Lernsettings gut vorbereitet und organisiert werden können, damit gemeinsames Lernen und Feiern gelingen kann.

Workshop 3: Schüler:innen im RU führen und begleiten – durch freche Fragen und frische Antworten!
Referent: Dirk Schwarzenbolz, Fachberater ZSL
Wie gebannt hängen die Blicke der Schüler:innen an den Lippen der Lehrkraft. Gespannte Stille herrscht im Klassenzimmer ... " Wie gestaltet man wirklich gelungene Einstiege in den Religionsunterricht/in Unterrichtsequenzen? Kann man Schüler:innen für religiöse Themen interessieren und motivieren? Antworten auf solche Fragen bietet dieser Workshop. Einem theoretischen Input schließen sich praktische Unterrichtsbeispiele an, die oft schon in der nächsten Unterrichtsstunde einsetzbar sind – sehr niederschwellig und ohne großen Medieneinsatz, Aufwand oder Vorbereitung.
Ein echter Gewinn für jede Religionslehrkraft!

Workshop 4: Herausforderndes Verhalten meistern: Positive Beziehungen aufbauen, Stress reduzieren
Referentin: Dr. Eva Schwämmlein, Schulpsychologische Beratungsstelle Backnang
Die allermeisten Menschen, Kinder wie Erwachsene, machen ihr Sache gut, wenn sie können. Aber es gibt Tage und Zeiten, in denen wir uns und andere herausfordern oder uns hilflos fühlen. In diesem Workshop wird es darum gehen, was Gründe für herausforderndes Verhalten von Schülerinnen und Schülern sein könnten. Es geht darum, die Sensibilität im täglichen Miteinander zu erhöhen und konkrete Ideen zu bekommen, wie Muster durchbrochen und Schülerinnen und Schüler in ihrer Entwicklung gestärkt werden können. Wir betrachten die Ebene des Einzelnen, aber auch die Klasse und die Schule als Gemeinschaft und begeben uns auf Schatzsuche, um mehr von dem tun zu können, was erfolgversprechend ist.

Workshop 5: In Krisen geraten und gesund hindurchkommen
Referent: Andreas Gruhn, Pfarrer, Klinik- u. Psychiatrieseelsorger, System. Berater und Supervisor
Unausweichlich ist es, dass Krisen unser menschliches Leben begleiten. Nicht ausgemacht ist es, wie Menschen aus den Krisen hervorgehen. Manche Widerfahrnisse setzen einem so sehr zu, dass ein gutes Weiterleben undenkbar scheint. Ähnliches erfahren andere Menschen und leben zufrieden, sie finden sogar Glück.
Salutogenese ist zum Schlüsselwort des Geheimnisses geworden, das hinter derart beschriebenen Beobachtungen steht. In diesem Workshop möchten wir der Frage nachgehen, was Sie als Lehrer:innen und ebenso Ihre Schüler:innen brauchen, damit Sie in Ihrem oft viel umkämpften Alltag mit Kraft zum Leben hervorgehen.
In diesem Workshop können Sie etwas Neues kennenlernen und bereits vorhandene Seiten an Ihnen entdecken, die Ihnen durch Krisen hindurchhelfen.

Workshop 6: Fremdkörper – bunter Vogel – als (kirchliche) Lehrkraft im Kollegium
Referentin: Daniela Brändle, Studienleiterin
„Ach, Sie unterrichten Religion?“ ein vieldeutiger Buchtitel den Iris Bosold mit den Worten ergänzt „Sie sehen gar nicht so aus, als würden Sie Religion unterrichten ...“ und „Gar nicht so einfach, dieses Fach zu unterrichten. Ich möchte nicht in Ihrer Haut stecken.“ Inmitten ungläubigen Staunens, mildem Spott und versteckter Bewunderung sind viele Klangfarben denkbar.
Gemeinsam zeigen sie die Erwartungen von verschiedenen Seiten, mit denen wir Religionslehrkräfte konfrontiert sind: Zwischen Beruf und Berufung, zwischen Staat und Kirche, zwischen Schule und Gemeinde, zwischen Curriculum und Seelsorge usw. Wie wir mit diesen Rollenerwartungen und -anforderungen umgehen können, wollen wir unter dem Gesichtspunkt dessen, was Religionslehrer:innen möchten, müssen und brauchen erörtern. Denn unter allen Vögeln ist vielleicht der/die Religionslehrer:in der Herausstechendste.

Programm/Ablauf

Hauptreferent
Anselm Grün
Benediktinerpater, Betriebswirt, Führungskräftetrainer, Autor spiritueller Bücher

Leitung
Andreas Lorenz, ev. Schuldekan
Katrin Sauer, Studienleiterin
Petra Schiller, kath. Schuldekanin
Silvia Trautwein, ev. Schuldekanin
Heike Schulz, Studienleiterin
Robert Merkle, Fachberater ZSL
Dirk Schwarzenbolz, Fachberater ZSL

Termin
Donnerstag, 27. April 2023
8:30 Uhr – 16:00 Uhr

Ort
Ökumenisches Haus der Begegnung
Schwalbenweg 7
71334 Waiblingen – Korber Höhe

Anmeldeschluss
Donnerstag, 30. März 2023

Hinweise
Teilnehmerzahl: mind. 30
Ein Mittagessen wird angeboten.
Bitte geben Sie bei der Anmeldung an, wenn Sie vegetarisches Essen wünschen
oder nicht am Mittagessen teilnehmen.

Ggfs. kann diese Fortbildung in verkürzter Form auch online angeboten werden.

Veranstalter
Büro des ev. Schuldekans Schorndorf/Waiblingen